Was ist ein "UL"?


UL steht für "Ultraleicht"

Ein "UL" ist ein Ultraleicht-Flugzeug. Im rechtlichen Sinne ist es nicht einmal ein Flugzeug, sondern ein Sportgerät. Die Lizenz zum Führen (Fliegen) eines (ein- oder zweisitzigen) UL heißt deshalb auch Sportpilotenlizenz (SPL). Man muss sie sehr streng von der "normalen" Privatpilotenlizenz (PPL) differenzieren. Aber heute gibt es so geniale Konstruktionen, dass die UL kaum noch von den "normalen" Flugzeugen zu unterscheiden sind. Aus diesem Grund bezeichne ich sie im folgenden ebenfalls als "Flugzeuge" und beziehe mich auch ausschließlich auf die aerodynamischen UL (Erklärung weiter unten).

"UL" - darunter fallen alle Varianten von extrem leichten Fluggeräten mit Motor (maximales Startgewicht: MTOW = 472,5 kg), also:

  • motorisierte Gleitschirme,
  • Ballone und Luftschiffe mit Motor,
  • Motor-Drachen (Trikes),
  • Gyrocopter (Tragschrauber),
  • ultraleichte Motorsegler und
  • über drei Achsen gesteuerte, kleine Motorflugzeuge. Die Lizenz für diese Klasse von UL habe ich nun nach einjähriger Ausbildung am 11.04.2015 erworben.

Und für jede Variante ist eine eigene Ausbildung (mit Überschneidungen) vorgeschrieben. Dass die UL so leicht sind, heißt aber nicht, dass sie leicht zu fliegen sind. Bei Wind ist eher das Gegenteil richtig. Denn im Gegensatz zu schweren Flugzeugen werden UL sehr leicht vom Wind beeinflusst.


Außerdem unterscheidet man

  • gewichtskraft-gesteuerte (Fluglageänderung durch Schwerpunktverlagerung) und
  • aerodynamisch-gesteuerte Fluggeräte. Diese werden wie jedes Flugzeug mit Höhen-, Quer- und Seitenruder geflogen.

Alle UL (ausgenommen Gyrocopter, bei diesen ist es wegen des Rotors technisch unmöglich) sind mit einem Rettungsgerät ausgestattet. Im "Falle eines Falles" fliegt eine kleine Rakete aus dem Flugzeugrumpf, die einen Fallschirm hinter sich herzieht, an dem dann das gesamte Flugzeug incl. seiner Passagiere relativ sanft zu Boden gleitet. Ich war anfangs sehr skeptisch, ob das funktioniert, bin aber durch einen Flugunfall in Koblenz-Winningen im August 2014, bei dem der Fallschirm eines UL nicht nur dieses UL mit seinen 2 Passagieren, sondern zusätzlich auch noch ein mit dem UL in der Luft verkeiltes Segelflugzeug sicher zum Boden brachte, eines Besseren belehrt worden. Seitdem bin ich zutiefst davon überzeugt, dass das ein ganz hervorragendes Sicherheitsmerkmal ist. Alle UL dürfen übrigens nur "VFR" (Visual Flight Rules), also nach Sichtflugregeln, geflogen werden. Das bedeutet auch, dass man nur zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang fliegen darf. Nacht- oder Instrumentenflug ist (ebenso wie Kunstflug) nicht erlaubt.

Eine Sportpilotenlizenz ist übrigens deutlich günstiger zu haben als die Privatpilotenlizenz. Auch das Fliegen (Chartern) ist deutlich preiswerter. Dabei sind moderne UL heutzutage erheblich leistungsfähiger als - sagen wir mal - eine Cessna 152. Es sprechen also viele gute Gründe für eine SPL. Natürlich gibt es auch welche, die dagegen sprechen, z.B. sind die PPL-Lizenzen weltweit anerkannt, bei dem SPL macht jedes Land, was es will.

 

Wie erkennt man ein UL?

Man braucht schon ein geschultes Auge, um ein UL von einem "richtigen" Flugzeug zu unterscheiden. Aber ganz leicht ist es, wenn man das Flugzeug-Kennzeichen lesen kann. Denn hier gibt es eine Systematik, die man sich gut merken kann: In Deutschland setzt sie sich zusammen aus:

  • dem Buchstaben "D" für "Deutschland", gefolgt von einem Bindestrich,
  • dann die Flugzeug-Klasse
    - A = Flugzeug schwerer als 20t
    - B, D, I, F, G mit den jeweiligen Gewichtsgrenzen und Motorisierungen
    - E = einmotorig und unter 2t (z.B. Cessna, Piper), die sogenannte "Echo-Klasse", im Gegensatz zur "Mike-Klasse" (den UL's)
    - H = Hubschrauber
    - K = Motorsegler
    - L = Luftschiff
    - O = Ballon
    - N = UL bis 150 kg
    - M = UL bis 472,5 kg
  • und als drittes das eigentliche Kennzeichen (bestehend aus drei Buchstaben), das ein Flugzeug eindeutig identifiziert.

Meine meistgeflogene Schulungsmaschine hatte z.B. das Kennzeichen D-MEID. Wobei das "M" dieses Flugzeug als UL identifiziert. Es gibt Flieger, die identisch aussehen, aber etwas schwerer sind und deshalb keine M (Mike) - Zulassung bekommen, sondern E (Echo). Das Unterscheidungsmerkmal bei den hier zur Diskussion stehenden Flugzeugen ist also das "M" (Mike-Klasse) für Sportgeräte und das "E" (Echo-Klasse) für Flugzeuge.

 

Und was ist nun der Reiz an der Fliegerei?

Fliegen ist die pure Freude! Es mag abgedroschen klingen, aber noch mehr als beim Skifahren, Roadstern oder Motorradfahren empfinde ich das Fliegen als "Freiheit und Abenteuer". Auch hier ist es der Prozess des Erlebens, der auf mich einen so großen Reiz ausübt. Immer schon!

  • Zunächst ist das Fliegen nicht trivial - mit der Einfachheit des Autofahrens hat das Fliegen jedenfalls nur wenig gemeinsam. Beim modernen PKW nimmt die Technik dem Menschen ja immer mehr Verantwortung ab, eine ohnehin sehr fragwürdige Entwicklung! Das ist beim Fliegen ganz anders! Hier ist nur der Pilot verantwortlich, das Flugzeug macht außer Vortriebs- und Auftriebserzeugung kaum etwas von allein. Im wesentlichen sind es daher drei Quellen der Faszination:
    1) die Technik: Sie ist nicht kompliziert, eher einfach gehalten, weil Zuverlässigkeit der wichtigste Punkt ist.
    2) die mentale Herausforderung: Winzig kleine Flugplätze, große Airports oder das Fliegen im Gebirge - dazu Navigation und Flugfunk - verlangen ein Maximum an Konzentration.
    3) die neue Reisedimension: In 2 h zum Bodensee, in 3 Stunden zum Großglockner oder an den Gardasee.
  • Schon der Start ist jedes Mal eine Sensation für mich. Er ist wie die Ouvertüre zu einem großen Konzert, das nun folgt. Er ist der Vorhang im Theater, der hochschnellt und die Szenerie dem Blick des Betrachters freigibt und eine neue Perspektive ermöglicht.
  • Der Reiseflug ist Genuss pur. Wenn ich  am frühen Morgen starte und dann nach Süden entlang des Rheins fliege, dann geht mir sprichwörtlich das Herz auf. Wenn ich sehe, wie Flüsse und Bäche silberne Adern in das Grün, Braun oder Gelb der Landschaft malen, dann entrückt mich das aus dieser Welt. Das ist nur noch zu toppen durch das Fliegen zwischen und über den Wolken. Es ist eine neue, die dritte Dimension, die man dort oben genießen kann. Die Welt von da oben sieht anders aus als die Welt hier unten! Vor allem, wenn man die Spielzeuglandschaft gut kennt, über die man gerade hinweg fliegt.
  • Und schließlich ist es auch die Herausforderung, ein solch komplexes Gerät wie ein Flugzeug jederzeit sicher bedienen zu können. Einmal das Flugzeug selbst, dann in Bezug auf andere Flugzeuge und auch in besonderen Lufträumen wie Kontrollzonen großer Airports. Und jede Landung ist "irgendwie anders", und jedes Mal benötigt sie die ganze Konzentration, um den Flieger früh und sanft auf die Piste zu setzen.

Und noch ein letztes: Deutschland und Europa schrumpfen plötzlich zusammen! Mit einem modernen UL ist "Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag" plötzlich nicht mehr auf die Eifel beschränkt: In gut anderthalb Stunden sind wir auf Wangerooge oder am Bodensee! Und an einem langen Wochenende eben mal in 4 Stunden nach Venedig! Das sind ganz neue Perspektiven!

 

Meine vier UL-Flieger (die ersten drei Flugzeuge sind Eigentum des Vereins LVM Mönchsheide)

Das erste Flugzeug ist eines vom Typ "FK9". Es war mein Schulungsflieger, mit dem ich das Fliegen gelernt habe. Der große Vorteil dieses Flugzeugs ist sein leichtes Handling und die gute Sicht senkrecht nach unten (auch, wenn die Tragflächenstrebe etwas stört).

 

Gleich nach Abschluss der Ausbildung habe ich aber auch gleich das Typerating (so nennt man Einweisung und Flugerlaubnis auf einem anderen Flugzeugtyp) für die "Dynamic" gemacht. Sie ist etwas schwieriger zu fliegen als die FK9, jedoch ein hervorragendes Reiseflugzeug. Die Sicht nach unten ist beim Tiefdecker natürlich nicht ganz so gut, man muss dann einen kleinen Turn fliegen oder das Flugzeug mittels Quer- und Seitenruder auf die Seite legen. Aber der große Vorteil der Dynamic ist ihre extrem gute Aerodynamik und ihre hohe Reisegeschwindigkeit von deutlich über 200 km/h.

In 2018 kommt noch ein weiterer Flugzeugtyp hinzu. Unsere "Breezer". Ein schönes, leicht zu fliegendes Muster, das die Besonderheit eines Verstellpropellers hat. Damit kann man während des Fluges die einzelnen Blätter des Propellers steiler und flacher stellen. Das ist sehr hilfreich, um beim Start eine maximale Beschleunigung und im Reiseflug eine maximale Geschwindigkeit zu erhalten. Hier gibt es ein kleines Video "Über Burg Olbrück" aus dem Cockpit der Maschine.

 

Oberhalb einer Flugstundensumme von 50-80 Stunden pro Jahr lohnt es sich, ein eigenes Flugzeug anzuschaffen, insbesondere dann, wenn man alle Wartungsarbeiten und Kontrollen selbst ausführen kann und darf. Also kam, was kommen musste: Ich habe einen Lehrgang für die Wartung von Rotax-Flugmotoren absolviert (dazu gehört sogar eine kleine "Prüfung") und mir anschließend einen eigenen Flieger gekauft, allerdings in einer Haltergemeinschaft mit einem Partner. Auf diese Weise lassen sich z.B. die Fixkosten noch einmal deutlich reduzieren.

Bei diesem Flieger handelt es sich um eine CTSL der Firma Flight Design. Er ist besonders leicht, bietet sehr viel Platz und hat eine große Reichweite. Ein weiterer Vorteil ist die hervorragende Sicht nach unten, weil die Tragflächen keine Streben benötigen, die einem die Sicht versperren. Nach dem ersten Üben und der folgenden Eingewöhnung an die Flugeigenschaften, die sich deutlich von den drei anderen Fliegern unterscheiden, führte mich der erste mehrtägige Ausflug (jetzt weiß ich endlich woher dieser Begriff kommt) in die Alpen.

Hier findet man eine kleine Bildergalerie von meinem Flugzeug.

Irgendwann in 2018 ist das Landelicht kaputt gegangen, vermutlich wegen zu großer Hitze bzw. falscher Kühlung. Es musste ein neues her! Dieses Mal aber richtig gekühlt. Im Winter 2018/19 habe ich mich dann an die Arbeit gemacht. Hier findet man eine kleine Dokumentation.

Da ich gerne fotografiere und natürlich auch kleine Videos drehe, habe ich mir eine Halterung für meine GoPro-Cam gebaut. Die CT hat unter den Tragflächen je ein 8mm-Gewinde zur Befestigung von Bodenankern, damit das sehr leichte Flugzeug nicht bei einer Windböe weggeweht wird. Diesen Anschluss verwende ich quasi als Stativ. Wer es genau wissen will, kann hier weiterlesen.

 

 

Natürlich folgen viele weitere Inlandsflüge und weitere Alpenflüge in Österreich. Größtes Highlight des ersten Jahres ist allerdings ein Flugsicherheitstraining in den französischen Alpen. Die UL-Fliegerei in Frankreich ist anspruchsvoller als in Österreich, erstens geht das nur mit Flugplan, zweitens gibt es in Frankreich extrem viele Sperrgebiete und drittens sprechen die Franzosen nicht so gern Englisch. Auf großen Plätzen funktioniert das noch, auf kleinen wie hier in Alpe d'Huez muss man dann in französisch funken:

 

 
Es ist das Highlight meiner Flieger-"Karriere" überhaupt: Die Landung in Courchevel. Ein Video von der Landung gibt es natürlich auch.
 
 

 

Und sollte mal jemand Lust auf einen Flug über Eifel, Rhein oder Mosel verspüren, genügt eine Mail an mich (siehe Startseite). Es wäre mir eine große Freude, wenn ich jemanden "zum Fliegen bringen" würde - so, wie es auch mir (durch Dritte) ergangen ist.

  

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