Die Südschleife des Nürburgrings 1(8)

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Eine Legende im Dornröschenschlaf

 

Die Legende "Südschleife"

Den Nürburgring kennt jeder! Auch der Begriff "Nordschleife" ist heute jedem Motorrad-, Auto- oder Motorsportinteressenten bekannt. Vielleicht kennt man auch noch die "Steilstrecke", weil sie sich direkt an der Nordschleife befindet, kurz vor dem Karussell! Aber kaum jemand weiß heute noch, dass es neben der legendären Nordschleife auch eine Südschleife gab bzw. teilweise noch gibt. Und wenn man in der Nähe einer "Legende" wohnt, dann interessiert man sich auch nahezu zwangsläufig für deren Historie. So ist es mir jedenfalls ergangen. Daraufhin habe ich ein wenig recherchiert und die alte Südschleife fast komplett wiedergefunden.
 

Zur Erinnerung:

Die Südschleife wurde als Teil des Nürburgrings zwischen 1925 und 1927 gebaut. Die Streckenlänge betrug damals 7,75 km. Zwar gab es hier keine spektakulären Sprunghügel wie auf der Nordschleife, aber alle Fahrer hatten doch eine gewisse "Ehrfurcht" vor dieser Südschleife. Und wenn es "Ausritte ins Grüne" von Rennfahrern gab, dann waren es die beiden Rechtskurven im Streckenabschnitt "Bocksberg" und "Müllenbach".

Das Gefälle vorbei am heutigen Campingplatz betrug bis zu 11%. Die Steigungen von Müllenbach wieder hinauf zu Start-und-Ziel betrugen bis zu 16%. Der Höhenunterschied zwischen höchster und tiefster Stelle betrug 153 m. Der größte Teil der Strecke führt auch heute noch durch Wald. Hier passierten dann auch viele Unfälle, besonders in den so genannten "Hexenkurven" hinunter nach Müllenbach. Also dort, wo sich heute der Campingplatz befindet. Die Fahrer kamen von der abgetrockneten Start- und Zielgeraden in die noch feuchte Bergab-Passage und flogen bei Unachtsamkeit aus der Kurve! Ähnlich geht es noch heute vielen "Touristenfahrern" der Nordschleife, die keinen Respekt vor der "Eiskurve" (hinter dem Brünnchen) haben.
 

Die Ringabschnitte ab der 180°-Südkehre heißen:

  • Bränkekopf
  • Aschenschlag
  • Seifgen
  • Bocksberg
  • Rassrück
  • Scharfer Kopf
     

Auf den folgenden sieben Seiten habe ich den Verlauf der Südschleife in der damaligen Rennrichtung nachvollzogen. Der erste Teil ist heute die öffentliche Straße "K72"bis Müllenbach, der andere Teil liegt im Originalzustand etwa der 60er Jahre versteckt hinter Bäumen und unter Büschen.

 

Man muss sie regelrecht suchen! Hier sind meine Bilder und ein paar wenige Erläuterungen dazu:
 

Der Verlauf der Südschleife heute
  

Wie ging's dann weiter:

Nach dem Bau des Nürburgrings wurde die Nordschleife und die Südschleife für Rennen benutzt. Später war die Südschleife dann nur noch den Motorradrennen vorbehalten.

Nach 1931 wurden Nord- und Südschleife dann nicht mehr in einem Rennen (also gleichzeitig) benutzt. Auf der Südschleife gab es anschließend fast nur noch Motorradrennen. Von 1965 bis 1968 wurde der Große Preis von Deutschland für Motorräder (die damalige Motorrad-Weltmeisterschaft) auf der Südschleife ausgetragen.

Ein paar sehr schöne alte Fotos findet man bei Richard Kunze. Weitere Fotos und Berichte zum Nachlesen gibt es auf dieser Seite: www.pro-steilstrecke.de


Die Blickrichtung auf seinen beiden ersten Fotos zeigt den Anschluss der endenden Südschleife an die Gegengerade von Start und Ziel. Das "dunkle" Gebäude im Bildzentrum rechts ist die alte Holzbaracke, die sowohl Zuschauertribüne als auch das Zentrum der Rennleitung war. Die Kabine der Rennleitung ist das einzige, was davon heute noch existiert.

 

Das letzte Bild meiner Fotos auf der Seite 8 zeigt etwa diese Perspektive.

 
An dieser Stelle (heute B258) befand sich die Südkehre. Rechts oben ist die Bilstein-Tribüne zu sehen. Links daneben, etwas versteckt hinter den Büschen, ist die Mercedes-Tribüne zu erkennen. Der kleine Hügel im Hintergrund ist der "Scharfe Kopf".
 
 
Der Anfang der früheren Südschleife ist heute nicht mehr eindeutig identifizierbar. Sie verlief etwa hier über den heutigen Parkplatz.
 
 
Dieses ist die heutige Landstraße "K72", die hinunter nach Müllenbach führt. Etwa ab dieser Stelle ist die heutige Landstraße identisch mit dem alten Südschleifen-Track. Ich bin deshalb so sicher, weil ich seinerzeit einen Anwohner gefragt habe, der hier gerade mit seinem Trecker unterwegs war und der sehr nett sein Wissen mit mir geteilt hat.

 

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